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Praxistalk - Die Rolle der Fachkraft für Arbeits- und Betriebsmedizin

Neu im Angebot ist der Lehrgang "Ausbildung zur Fachkraft für Arbeits- und Betriebsmedizin" an der PROGES Akademie. Wir haben mit Tanja Neubauer, dipl. Gesundheits- und Krankenschwester und Fachkraft für Arbeits- und Betriebsmedizin des Arbeitsmedizinischen Dienstes über Ihr Tätigkeitsfeld gesprochen.

Welche Rolle spielt die Fachkraft für Arbeits- und Betriebsmedizin?

ArbeitsmedizinerInnen beschäftigen sich mit den Wechselwirkungen zwischen Arbeit, Gesundheit und Krankheit. Sie tragen damit auf Basis eines gesetzlichen Auftrags dazu bei, dass Beschäftigte durch Arbeit nicht erkranken. Ziel ist, die physische und psychische Gesundheit bzw. die individuelle Leistungs- und Arbeitsfähigkeit von Menschen bestmöglich zu erhalten und zu fördern.

Um Unternehmen als ArbeitsmedizinerIn betreuen zu dürfen, benötigt man eine fachspezifische Ausbildung. Die Arbeitsmedizin-Ausbildung unterstützt bei der Entwicklung von einer großteils kurativen Orientierung zu einer neuen Berufsrolle, nämlich der beratenden präventivmedizinischen Tätigkeit in Unternehmen.

Welche Aufgaben können Krankenschwestern/Krankenpfleger in Zusammenarbeit mit ArbeitsmedizinerInnen in Betrieben übernehmen?

Die Aufgabengebiete sind sehr abwechslungsreich. Wir sind befähigt, viele Aufgaben wie beispielsweise Seh-, oder Hörtests selbstständig durchzuführen. Hier organisiere ich die Termine, führe die Tests vor Ort durch und gebe die Ergebnisse an die ArbeitsmedizinerInnen weiter. Sollten akute Beschwerden bei den Tests auftreten, verweise ich gleich direkt an den entsprechenden Arzt und informiere den Arbeitsmediziner um den Fall zu verfolgen.

Bei anderen Aufgaben, arbeiten wir mit den ÄrztInnen zusammen. Beispielsweise bei Ergometrietests für ArbeitnehmerInnen die in der Höhe arbeiten. Hier könnte es während eines Tests zu gesundheitlichen Problemen kommen, daher muss ein Arzt/eine Ärztin anwesend sein.

Auch Gesundenuntersuchungen werden mit dem/r ArbeitsmedizinerIn gemeinsam durchgeführt. Hierfür fahren wir zu den Firmen, nehmen Blut ab, testen Blutdruck, Blutzucker, usw. im Anschluss können die ArbeitnehmerInnen direkt mit den MedizinerInnen über die Auswertungen sprechen und Informationen über gesundheitsförderliche Maßnahmen einholen.

In meiner Tätigkeit komme ich also mit den unterschiedlichsten Personen in Kontakt und oft erzählen mir die Menschen auch ganz persönliche Dinge, die sie gerade erleben oder auch die sie belasten. Hier kann ich zuhören, reden oder auch Informationen geben, wo man sich hinwenden kann.

Wie sieht ein typischer Einsatztag für eine Fachkraft für Arbeitsmedizin aus?

Meine Arbeitstage sind ganz unterschiedlich. An manchen bin ich hier im Arbeitsmedizinischen Zentrum und die ArbeitnehmerInnen kommen für diverse Untersuchungen und Impfungen zu uns. An anderen Tagen fahre ich zu Firmen die uns beispielsweise für eine Lärmuntersuchung anfordern und führe die Tests vor Ort durch.

Was waren Ihre Beweggründe in ein Arbeitsmedizinisches Zentrum zu wechseln?

Ich war 15 Jahre im OP-Intensiv und Aufwachraum. Hier wird dem Personal sehr viel abverlangt und die Dienste sind mit 13 Stunden sehr intensiv. Da bleibt leider wenig Zeit und Energie um individuell auf die Patientinnen und Patienten einzugehen.

Da ich auch in der Arbeitskreisleitung bei der Gesunden Gemeinde bei uns im Ort bin, habe mir irgendwann gedacht, dass der Bereich Prävention genau das ist, was mir gefallen würde. In meinem neuen Beruf kann ich wesentlich besser auf die Menschen eingehen und ihnen auch ein Stück weit helfen.

Wieso ist eine fachspezifische Ausbildung gerade jetzt so aktuell?

Im Bereich ArbeitnehmerInnenschutz hat sich viel geändert in den letzten Jahren, früher wurde oft nicht so genau hingesehen bzw. hat sich niemand um die Folgen von Arbeitssituationen auf die Beschäftigten gekümmert.

Auch der stete Wandel der Arbeitswelt bringt neue Herausforderungen mit sich. Beispielsweise sitzen ArbeitnehmerInnen die früher nur fünf Stunden am PC gesessen sind heute oft zehn oder zwölf Stunden vor dem PC.

Unsere Aufgabe ist es, darauf zu achten, dass die Gesundheit der Arbeitnehmer durch ihre Arbeit nicht beeinträchtigt wird und für sie passende Lösungen zu finden. Wenn ich zum Beispiel bemerke, dass jemand den Gehörschutz aus irgendeinem Grund nicht trägt, dann gebe ich das dem Arbeitsmediziner weiter, und wir beratschlagen, welche alternativen Möglichkeiten es für den Arbeitnehmer/die Arbeitnehmerin gibt oder wie das Arbeitsumfeld verändert werden muss, damit die Hörleistung nicht beeinträchtigt wird.

Das Wohl und die Gesundheit der ArbeitnehmerInnen steht dabei im Mittelpunkt und zu unseren Aufgaben gehört es auch, die Beschäftigten immer wieder darauf hinzuweisen.

 

 

Am 11. März 2020 startet der nächste Lehrgang, alle Informationen finden Sie hier: https://www.proges.at/ausbildung-zur-fachkraft-fuer-arbeitsmedizin/

 

Tanja Neubauer, dipl. Gesundheits- und Krankenschwester und Fachkraft für Arbeits- und Betriebsmedizin des Arbeitsmedizinischen Dienstes