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Partizipation als Erfolgsformel für mehr Gesundheit und Wohlbefinden

Viele Ursachen für gesundheitliche Probleme finden sich dort, wo die meisten Menschen ihren Lebensmittelpunkt haben: in der unmittelbaren Nachbarschaft.

Manche leiden unter Einsamkeit, anderen fehlt der Austausch, es gibt zu wenig Miteinander und vieles mehr. Das Pilotprojekt von PROGES – KOMM! im Linzer Franckviertel – setzt im Sinne der Gesundheitsprävention hier an. Mit verschiedensten Initiativen unter aktiver Beteiligung der BewohnerInnen werden vor allem die psychische und soziale Gesundheit und das Wohlbefinden nachhaltig gestärkt.

 

Seit der Gesundheitsdienstleister PROGES im März 2018 im Franckviertel das erste Büro für kommunikative und innovative Nachbarschaftsinitiativen (KOMM!) eröffnet hat, ist viel passiert. Von Anfang an war klar, dass die Quartiersarbeit im Franckviertel nicht einfach nur für die BewohnerInnen, sondern vielmehr gemeinsam MIT ihnen stattfinden soll. Der Schwerpunkt des vom Gesundheitsressort der Stadt Linz und dem Fonds Gesundes Österreich initiierten Pilotprojekts lag immer darauf, mit unterschiedlichsten Aktivitäten alle Gruppen anzusprechen, herauszufinden, was diese brauchen, und die Menschen mit den Themen Gesundheit, Prävention und Wohlbefinden noch besser zu erreichen.

„Mit KOMM! wurde im Franckviertel etwas angestoßen, das sich sehr positiv entwickelt. Ein tolles, innovatives und kreatives Projekt“, findet Gesundheitsstadtrat Dr. Michael Raml.
„Mir sind solche Projekte sehr wichtig, weil Gesundheit und Wohlbefinden höchste Priorität haben und die Menschen so in ihrem direkten Lebensumfeld aktiv etwas dazu beitragen können.“
Indem das Projekt mitsamt allen Maßnahmen laufend evaluiert wurde, konnte vieles ausprobiert und in Summe enorm viel Wissen angehäuft werden. Zum Beispiel wurde schnell klar, dass das mit PROGES-Mitarbeiterin Nicole Wagner, BA besetzte Büro mitten im Franckviertel genau jener wichtige Dreh- und Angelpunkt ist, der es sein sollte. „Die Bewohnerinnen und Bewohner haben durch KOMM! eine kompetente Ansprechperson vor Ort, die aktive Menschen findet und zusammenbringt, sie bei Initiativen unterstützt und ihnen stets mit Rat und Tat zur Seite steht“, sagt PROGES-Geschäftsführerin Dr.in Doris Polzer. „Das war und ist ganz wesentlich dafür, dass die Bewohnerinnen und Bewohner Initiativen ins Leben rufen, diese vorantreiben und wieder andere Menschen aus der Nachbarschaft motivieren, auch mitzumachen.“
Innerhalb der vergangenen zweieinhalb Jahre gelang es so, Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen und aus allen Generationen mit an Bord zu holen. Durch viel Ermutigung, Unterstützung und die ständige professionelle Begleitung wurden immer mehr Personen selbst aktiv und gestalteten ihr Viertel lebenswerter und gesünder.


Erreichte Projekt-Wirkungsziele
„Vor allem auf die psychische und soziale Gesundheit der Bewohnerinnen und Bewohner des Franckviertels wirken sich die umgesetzten Initiativen äußerst positiv aus, wie der Evaluierungsbericht für den definierten Zeitraum zeigt“, erklärt Dr.in Doris Polzer mit Blick auf die verfolgten und erreichten Projekt-Wirkungsziele. Dazu gehören:
•    Die Menschen wurden angeregt, sich aus ihrer Wohnung zu bewegen und mit anderen in Kontakt zu kommen. Die Gemeinschaft wächst, Neuzugezogene finden leichter Anschluss und die oft krank machende Einsamkeit geht zurück.
•    Die Zugehörigkeit zum Viertel vor allem der älteren Generation ist sehr stark. Der Zusammenhalt wurde weiter gestärkt und auch der Ruf nach außen („Glasscherbenviertel“) wurde verbessert.
•    Es gibt eine verstärkte Vernetzung und Zusammenarbeit unter den BewohnerInnen.
•    Die Zusammenarbeit von Vereinen und Organisationen aus dem Stadtteil wurde weiter verstärkt, wodurch wieder Neues entsteht. KOMM! ist nicht nur für einzelne BewohnerInnen, sondern auch für Vereine und Organisationen eine wichtige Anlaufstelle geworden – nach dem Motto: „Gemeinsam ist man immer stärker“.
•    Mit der Initiative Gesunde Jause und themenspezifischen Veranstaltungen wurde auch im Bereich der Gesundheitskompetenz und Prävention etwas sehr Wichtiges angestoßen.
•    Bis heute wurden durch KOMM! etliche Projekte entwickelt, die auch in Zukunft Bestand haben können – zum Beispiel folgende:
◦    Die Aktionsgruppe „Franckviertel wird bunt“, die nach der Stromkasten-Aktion bereits weitere Pläne zur Gestaltung des Viertels hat
◦    Nachbarschaftscafés, unter anderem auch zu Themen wie Diabetes und Herzgesundheit
◦    Frauen-Gesundheitstreffs
◦    Stadtteil-Frühstück
◦    Tag des Apfels mit Verteilung von Äpfeln


Partizipation passiert nicht von heute auf morgen
„Die laufende Evaluierung und insbesondere auch der Evaluierungsbericht belegen, dass der partizipative Prozess von KOMM!, der sehr stark auf Empowerment und Selbstwirksamkeit setzt, auch sehr nachhaltig ist“, sagt Dr.in Doris Polzer. „Aber Partizipation funktioniert nicht von heute auf morgen, sondern braucht viel Zeit und laufende Begleitung.“
Für diese Begleitung und die Stärkung der BewohnerInnen, aber auch der lokalen Strukturen im Stadtviertel, absolvierten die PROGES-Expertinnen vor dem Projektstart eine spezielle Ausbildung: Community Organizing ist eine mehrphasige Methode zur aktivierenden Beziehungsarbeit mit dem Ziel, dass BürgerInnen konstruktiv und nachhaltig ihre eigenen Lebensbedingungen verbessern.

Dass der Zeitfaktor eine große Rolle spielt, bestätigt auch Nicole Wagner, die als Projektverantwortliche vor Ort KOMM! laufend antreibt: „Vor allem zu Beginn war sehr viel Aufbauarbeit notwendig. Beim Community Organizing ist der Aufbau von Beziehungen ein wichtiger Prozess. Ziel ist es, Selbstbestimmung und demokratische Entscheidungsfindungen zu fördern beziehungsweise zu stärken. Anfangs haben wir zum Beispiel einen Tisch vor das Büro gestellt, sind zu Veranstaltungen und in die Communitys gegangen. Wir haben sehr viele persönliche Gespräche geführt, um Vertrauen zu schaffen, zu schauen, wer sich aktivieren lässt, usw. Später haben sich daraus immer mehr konkrete Aktivitäten entwickelt. Community Organizing ist eine tolle Methode, um Potenzial zu entdecken und es nachhaltig aufzugreifen.“

Außerdem wurde das Projekt von Beginn an ständig evaluiert: „So konnten wir vieles ausprobieren und bekamen immer gleich Feedback, was für die Bewohnerinnen und Bewohner funktioniert und was nicht. Dadurch haben wir auch selbst ständig dazu gelernt und über die Zeit extrem viel Wissen herausgearbeitet, das wir nun weiter anwenden können.“
Für die BewohnerInnen, Organisationen und Vereine ist das KOMM!-Büro von PROGES eine wichtige Anlaufstelle geworden. „Als Ansprechperson bin ich regelmäßig vor Ort, ich organisiere vieles im Hintergrund, gehe aktiv auf die Leute zu, halte Kontakt und sorge auch dafür, dass Aktivitäten nicht wieder einschlafen“, sagt Wagner.
„Nach der ganzen Aufbauarbeit kennen uns die Bewohnerinnen und Bewohner jetzt, sie vertrauen uns, die Strukturen sind da und es sind viele Menschen aktiv, die anfangs eher im Hintergrund waren.“
Diese positiven Ergebnisse zeigen vor allem eines: dass eine und niederschwellige Struktur wie KOMM! vor Ort konkrete Verbesserungen für die BewohnerInnen leisten kann: Sie werden zusammengebracht, unterstützt und dabei begleitet, für ihre eigenen Interessen einzutreten und nachhaltige Verbesserungen ihrer Lebens- und Arbeitsbedingungen zu erwirken, die auch genau auf ihre individuellen Bedürfnisse zugeschnitten sind.
Außerdem machen die Ergebnisse deutlich, dass die lokale Struktur von KOMM! bei der Weiterentwicklung und Vernetzung im Stadtviertel einen außerordentlich wichtigen Stellenwert einnimmt: Zum einen gelingt das durch die kompetente Umsetzung durch PROGES, zum anderen auch, weil KOMM! noch weit mehr leisten kann als bestehende Institutionen, Vereine und Ämter mit definierten Schwerpunkten.


Ausblick auf den Herbst
Für Herbst werden schon wieder viele weitere Aktivitäten geplant:
•    Die Nachbarschaftscafés gehen weiter, immer am Dienstagnachmittag von 14:30 bis 16:30 Uhr.
•    Am 13. November gibt es wieder den Tag des Apfels mit der Verteilung von Äpfeln im Stadtviertel.
•    Auch den Adventkalender mit persönlichen Geschichten von BewohnerInnen aus ihrem Franckviertel wird es wieder geben: ab 1. Dezember am Brunnenplatz.
•    Die Nachhilfe, bei der Freiwillige ein- bis zweimal wöchentlich mit Kindern aus der Nachbarschaft lernen, läuft im KOMM! ebenso weiter wie die von Schulsozialarbeiter Thomas Mader initiierten Elterngespräche, die Treffen von Friends of Franckviertel usw.
•    Angedacht sind außerdem ein „Adventmarkt der Möglichkeiten“ Ende November/Anfang Dezember sowie ein Frauen-Filmabend, Spieleabende und ähnliche Formate.
•    Die Initiative „Franckviertel wird bunt“ plant bereits eine Fortführung der Stromkasten-Aktion und eventuelle Nachfolgeprojekte.
„KOMM! tut dem Viertel richtig gut“
Wie wesentlich das Vertrauen und die Strukturen sind, bestätigt die engagierte Bewohnerin Anita König. Sie ist eine sehr wichtige Verbündete in der Community und beobachtet, dass das Franckviertel durch die vielfältigen Initiativen mittlerweile anders wahrgenommen wird. Waren es anfangs noch eher kleine Projekte wie etwa ein Bastelworkshop, wurde daraus immer mehr – bis hin zu den Nachbarschaftscafés, zur Stromkasten-Aktion usw.

Die Nachbarschaftscafés sind für sie auch ein gutes Beispiel dafür, „wie sich vieles inzwischen so gut entwickelt hat, dass auch Menschen, die früher aneinander vorbei gegangen sind, nun eine Beziehung zueinander aufgebaut haben und zusammenhelfen.“
Sehr vieles ist aus ihrer Sicht nur deshalb entstanden, „weil Nicole Wagner gleich total offen ins Viertel gekommen und ebenso offen auf die Menschen zugegangen ist. Weil sie sehr viel Gespür dafür hat, wer zusammenpasst. Und weil sie immer weiß, wohin sich die Menschen mit einem bestimmten Anliegen hinwenden können, auch über die Initiativen hinaus.“ Anita König ist überzeugt, dass auch die Persönlichkeit der Ansprechperson vor Ort sehr viel damit zu tun hat, dass sich so ein Projekt gut entwickelt.
„Insgesamt tut KOMM! dem Viertel richtig gut!“, resümiert Anita König. „Es gibt jetzt nach der ganzen Aufbauarbeit einen richtigen Aufschwung und immer mehr Bewohnerinnen und Bewohner machen mit. Es wäre sehr wichtig, hier dranzubleiben.“
Für alle Beteiligten ist es von großer Bedeutung, dass das vorhandene Potenzial und Wissen weiterhin gut genutzt werden kann. Wie sinnvoll das wäre, untermauert auch der Evaluierungsbericht.

„Wir sind mit KOMM! jetzt genau dort, wo wir von Anfang an hin wollten. Der Prozess der direkten Partizipation, bei dem sich die Bewohnerinnen und Bewohner selbst als Akteurinnen und Akteure erkennen, die selbstwirksam und aktiv die Lösung bestehender Probleme mitgestalten, hat sich sehr gut entwickelt. Der Evaluierungsbericht bestätigt den innovativen Ansatz und die Qualität unserer Gesundheitsarbeit“, sagt Dr.in Doris Polzer abschließend.


Nähere Informationen auf: https://www.proges.at/komm/